Früher war nicht nur mehr Lametta, sondern auch mehr Kultur, oder?



Wer kennt ihn nicht den Spruch Opa Hoppenstedts aus dem Sketch “Weihnachten bei den Hoppenstedts” von Loriot? Dass Lametta nicht gut für die Umwelt ist, weil nicht abbaubar, ist natürlich unbestritten, doch was Opa Hoppenstedt damit sagen wollte, ist auch klar - früher war alles besser!

So denkt man es manchmal auch bei der Kultur bzw. beim Stellenwert, den Kunst, Musik, Theater, Literatur etc. in unserer Gesellschaft einnehmen. Zu Beginn des Jahres hat man die guten Vorsätze noch nicht wieder ganz vergessen und bei dem Einen oder der Anderen mag auch mehr Kultur dazu gehören.


War denn früher wirklich mehr Kultur? Ja, das kann man so sagen, denn es gehörte in bestimmten Kreisen, Schichten und Bildungsniveaus einfach dazu, regelmäßig das Theater aufzusuchen, zu wissen, wie die letzte Operninszenierung war, welche Ausstellung gerade besonders gelungen ist und was man gelesen haben sollte, um auf dem nächsten Fest auch ein Gesprächsthema zu haben. Hausmusik war in vielen Familien selbstverständlich, ebenso eine gut bestückte Bibliothek.

Das ist heute nicht unbedingt so. Doch hat man in den letzten Jahren das Gefühl, dass es langsam wieder in diese Richtung geht. Buchclubs, Literaturtreffs und philosophische Gesprächskreise scheinen Auftrieb zu bekommen. 
Sogar der gute alte Salon erfährt wieder größere Beachtung. Eine Einrichtung des 18. Jahrhunderts, die es Bürgerlichen und vor allem auch Frauen ermöglichte, sich über Kunst, Musik, Politik, Philosophie und vieles mehr auszutauschen. Schauen Sie mal unter “das salonfestival”, da finden Sie interessante Salons und etwas zur Idee dieser Einrichtung.

Somit ist zwar keine Hoffnung mehr für mehr Lametta, aber für mehr Kultur.

Sollten auch Sie sich für 2018 mehr Kultur auf die Fahnen geschrieben haben, dann empfehle ich Ihnen unseren Literaturclub, die Sonntagnachmittage mit Themen der Philosophie, Psychologie und Politik oder unsere Salons.

Ich wünsche Ihnen ein kulturell erfülltes Jahr!

Sandra Müller-Buntenbroich leitet die Kulturabteilung der vhs Karlsruhe

Kommentare

  1. Ich habe mich von der Lust an kulturellen Unternehmungen, die hier vermittelt wird, anstecken lassen. Im Hubert Burda Museum gibt es gerade die Ausstellung "America! America! How real is real?“ Es geht um das visuelle Gedächtnis der Amerikaner. Sie zeigt, wie Künstler den American way of live sehen und kommentieren.
    Zwei Werke haben mir besonders „gefallen“. Eine Fotografie von Jeff Wall, Untangling, auf der ein Mann vor einem großen Haufen verknäulter Taue sitzt, die er entwirren will.
    Der Fotograf hat das Bild arrangiert, es steht sinnbildlich ua dafür, das „Ent"-wicklung Mühe macht und langsam ist, wenn etwas vernünftiges ( im Bild die Taue). Es passt gut in eine Zeit, in der gern nach einfachen und raschen Lösungen gerufen wird.
    Gefallen hat mir auch William Copleys "Imaginary Flag for USA“. Er hat auf der amerikanischen Flagge, die 50 Sterne durch das Wort „Think" ersetzt. Interpretation offen, entstanden ist das Kunstwerk in Zeiten von Watergate und Vietnamkrieg.
    Ich finde, die Ausstellung lohnt sich, auch zum diskutieren danach. Danke für die Anregungen hierIch habe mich von der Lust an kulturellen Unternehmungen, die hier vermittelt wird, anstecken lassen. Im Hubert Burda Museum gibt es gerade die Ausstellung "America! America! How real is real?“ Es geht um das visuelle Gedächtnis der Amerikaner. Sie zeigt, wie Künstler den American way of live sehen und kommentieren.
    Zwei Werke haben mir besonders „gefallen“. Eine Fotografie von Jeff Wall, Untangling, auf der ein Mann vor einem großen Haufen verknäulter Taue sitzt, die er entwirren will.
    Der Fotograf hat das Bild arrangiert, es steht sinnbildlich ua dafür, das „Ent"-wicklung Mühe macht und langsam ist, wenn etwas vernünftiges ( im Bild die Taue). Es passt gut in eine Zeit, in der gern nach einfachen und raschen Lösungen gerufen wird.
    Gefallen hat mir auch William Copleys "Imaginary Flag for USA“. Er hat auf der amerikanischen Flagge, die 50 Sterne durch das Wort „Think" ersetzt. Interpretation offen, entstanden ist das Kunstwerk in Zeiten von Watergate und Vietnamkrieg.
    Ich finde, die Ausstellung lohnt sich, auch zum diskutieren danach. Danke für die Anregungen hier.
    

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